Verleihung der Goldene Henne 2014 

Katrin Behr gewinnt die "Goldene Henne 2014" in der Kategorie "Stille Helden".

 

(Quelle) Die Hennen für die guten Taten Berührende Momente waren es, als die Goldene Henne in den Kategorien "Stille Helden" und "Charity" verliehen wurden. Als stille Heldin wurde Katrin Behr ausgezeichnet. Sie gründete 2008 den gemeinnützigen Verein Hilfe für die Opfer von DDR-Zwangsadoptionen e.V. ("OvZ-DDR e.V.) in Gera. Katrin Behr war selbst ein Opfer der Zwangsadoption.

 

Verleihung der Goldene Henne "Stille Helden" auf ---> YouTube

 

Musikvideo Dirk Michaelis & Sarah Connor: "Als ich fortging" ---> Youtube 

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Laudatio von Katrin Sass – Goldene Henne 2014 „Stille Helden“

 

Auch 25 Jahre nach dem Mauerfall ist nicht alles Unrecht aufgearbeitet,das die DDR ihren Bürgern angetan hat. Wir haben zwar die Möglichkeit, unsere Stasi-Akten einzusehen, die meisten politisch Verfolgten sind längst rehabilitiert, aber kaum jemand weiß etwas über einen besonders perfides Geschehen, ein Missbrauch staatlicher Gewalt, der ungeheuerlich ist und heute noch als Tabu behandelt wird. Das Thema „Zwangsadoption“ - das ist ein schwarzer Fleck in der Geschichte des Unrechtsstaates. Google meldet unter dem Stichwort „Zwangsadoption DDR“ gerade mal 718 Treffer und dennoch sind unzählige Menschen davon betroffen.

 

Tausende von Familien wurden damals von DDR-Behörden ohne Zustimmung auseinander gerissen, indem Kinder gegen den erklärten Willen der leiblichen Eltern verschwanden. Meistens für immer. Die meisten dieser Fälle geschahen bereits der Anfang der 70er bis Mitte der 80er Jahre. Und immer noch ist ein großer Teil nicht aufgeklärt.

 

Vielen Vätern, die z.B. bei der Republikflucht gefasst wurden, nahm man von heute auf morgen die Kinder weg. Viele Mütter, die sich nicht staatskonform verhielten, wurden hart bestraft, während sie selbst in Gefängnissen weggesperrt wurden, verschwanden die Kinder bei Pflegefamilien oder in Heimen und wurden dann gegen den Willen der leiblichen Eltern adoptiert.

Die juristischen Grundlagen für diese Schritte wurden eiskalt erpresst. Hilflosen und verängstigten Eltern wurde so lange gedroht, bis diese verzweifelten und einer Adoptionsfreigabe zustimmten. Diese Maßnahmen waren nichts anderes als gezielter Einsatz seelischer Grausamkeit gegenüber Kindern und Eltern.

 

Genaue Zahlen gibt es nicht, aber Fachleute gehen von 72.000 Inkognito-Adoptionen aus, viele davon erzwungen. Den betroffenen Eltern ist es unmöglich, ohne Unterstützung ihre Kinder wieder zufinden, weil die Bürokratie Transparenz verhindert. Viele Informationen sind nicht mehr zugänglich, und zu den noch vorliegenden Aufzeichnungen wird der Zugang erschwert. Jugendämter verweigern Auskunft, und die bundesdeutschen Datenschutzregeln greifen leider auch an Stellen, an denen sie überhaupt keinen Sinn machen.

 

Die meisten Opfer von Zwangsadoptionen haben kaum eine Möglichkeit, mit ihrer Geschichte abzuschließen: Mittlerweile erwachsene Kinder wissen immer noch nichts von ihrem eigenen Schicksal. Verzweifelte Eltern haben keine Chance, ihre Kinder aufzuspüren. Tausende von Opfern leben mit einem Trauma, aus dem es kaum einen Ausweg gibt.

 

Und selbst, wenn die Betroffenen einander finden, ist das Leid nicht zu Ende. Immer noch sind Zwangsadoptierte nicht anerkannt als Opfer von Unrecht. Kein einziger Funktionär, der damals ganze Familien zerstörte, wurde je dafür zur Rechenschaft gezogen.

 

Und jetzt komme ich zu einem Verein, dem Verein von Katrin Behr.

 

Eine Betroffene ist Katrin Behr, der 1972, als sie vier Jahre alt ist, die Mutter entrissen wird. Nach mehrerenAufenthalten in verschiedenen Pflegefamilien und Heimen wird sie im Alter von 8 Jahren gegen den Willen der leiblichen Mutter zwangsadoptiert.

 

Erst nach der Wende geht sie zum Jugendamt, um die Anschrift der leiblichen Mutter zu erhalten und erfährt die Wahrheit 2007 aus den Adoptionsakten. Sie ahnt, dass sie mit diesem Schicksal nicht allein ist und sie richtet das Portal www.zwangsadoptierte-kinder.deund www.personen-suche-ddr.de ein - über diese beiden Portale suchen Betroffene nach vermissten Angehörigen suchen.

 

2008 gründet sie in Gera den gemeinnützigen Verein „OvZ-DDR e.V.“ (Hilfe für die Opfer für DDR-Zwangsadoptionen e.V.), mittlerweile in Berlin ansässig. Der Verein hat zum Ziel, Betroffene zu beraten und ihnen zu helfen.

 

Der Bedarf ist riesig. Trotzdem bleibt der Verein der einzige in dieser Art in Deutschland. Aktuell liegen dem Verein 1566 Suchanzeigen von Eltern und mittlerweile erwachsenen "Kindern" vor. In 557 Fällen konnte Katrin Behr bis heute zu einem „positiven“ Ausgangbeitragen.

 

Der gemeinnützige Verein "OvZ-DDR e.V.“ kämpft für:

· mehr Öffentlichkeitsarbeit über dieses Thema

· umgehende Anerkennung, dass die betroffenen Kinder und deren leiblichen  Eltern politische Opfer sind

· schnellere Akteneinsichten (Stasi-Akten)

· mit Hilfe von Jugendämtern und anderen Behörden, die dazu benötigt werden

· psychologische Hilfen bei der Annäherung von allen Familienangehörigen (auch mit Einbeziehung der Adoptionseltern)

· Begleitung auf diesen Weg, die Verarbeitung der erlebten Traumen

· Entstehung von Selbsthilfegruppen

· freie Entscheidung über Adoptions - Aufhebung durch adoptierte “Kinder”

· seinen Ursprungs-Namen kostenfrei und ohne bürokratische Hürden zurück zu erhalten

 

Und heute erhält Ka(t)rin Behr die Goldene Henne.

(Katrin Sass sagte versehentlich bei der Namensnennung Karin Behr, statt Katrin Behr) 

 

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Danksagung zur Verleihung der Goldenen Henne

 

Bei der Verleihung des Preises war ich sehr überwältigt und aufgregt. Mein Herz schlug mir bis zum Hals, noch nie stand ich vor so einem großen Publikum.  

 

Einiges hätte ich gerne noch gesagt, doch die mir erlaubte Redezeit war dafür zu kurz. Ich bitte daher um Verständnis, wenn ich vergaß,  weitere Namen in der Danksagung zu erwähnen.

Stattdessen habe ich die kurze Redezeit effektiver genutzt, um vor einem großen Publikum auf die Problematik Betroffenen von institutiellen Einrichtungen (Heimkinder und Betroffene von Zwangsadoptionen) in der ehemaligen DDR aufmerksam zu machen.  

 

Von ganzen Herzen danke ich allen Menschen, die mich auf diesem Weg unterstützt haben und mich heute noch begleiten .  

 

Ohne die Hilfe verschiedener Akteure, wären wir sicherlich noch nicht dort, wo wir heute sind. Besonders bedanke ich mich bei den Menschen, die mich seit Ende 2013 intensiv bei der ehrenamtliche Aufarbeitung unterstützen. 

 

Aus einem ICH wurde ein WIR.

 

 

 

 

 

 

 

 

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